Manchmal wirft uns das Leben aus der Bahn. Es schleicht sich an, bis die Last irgendwann zu schwer wird. Genau so erging es mir im vergangenen November. Ich fühlte mich nur noch überfordert, dauerhaft gestresst und erschöpft. Heute habe ich mich noch immer nicht ganz davon erholt.
Ich finde es so wichtig, offen über mentale Gesundheit sprechen. Stress ist nicht einfach nur „viel zu tun zu haben“. Bei mir hat der Stress irgendwann eine Grenze überschritten und sich in einer Angststörung manifestiert. Wenn einem im Leben plötzlich die gefühlte Sicherheit fehlt, sucht sich die Psyche ein Ventil. Bei mir war es die Angst.
In meiner Auszeit durfte ich vieles lernen – über mich, über das Leben und über den Weg zurück zu mir selbst. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse und Dinge, die mir in dieser schweren Zeit geholfen haben.
• Heilung ist kein linearer Prozess: Ich dachte oft, wenn ich mich nur ein paar Tage ausruhe, ist alles wieder gut. Aber die Seele hat ihr eigenes Tempo. Es gibt Tage, an denen fühle ich mich stark, und Tage, an denen die Angst wieder präsenter ist. Das anzunehmen, ist schwer.
• Sicherheit entsteht von innen: Wenn äußere Strukturen wegbrechen oder nicht mehr die gewohnte Stabilität bieten, müssen wir lernen, uns selbst ein sicherer Hafen zu sein. Das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Belastbarkeit muss ganz langsam wieder aufgebaut werden.
• Alles langsam anzugehen: Es klingt so banal, aber es ist wahr. Wenn das System im Alarmmodus ist, zählt jede Verlangsamung. Ich musste lernen, die Dinge bewusst zu entschleunigen – egal ob beim Essen, Spazierengehen oder bei alltäglichen Erledigungen. Langsamkeit ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Medizin.
Was mir aktiv geholfen hat
Strikte digitale Auszeiten: Wenn der Kopf ohnehin schon überreizt ist, triggern Social Media und ständige Erreichbarkeit das Nervensystem nur noch mehr.
Kleine, feste Routinen: Wenn die Sicherheit im Leben fehlt, helfen kleine Anker im Alltag. Ein morgendlicher Kaffee/Tee in absoluter Ruhe (geht nicht immer mit Kind) oder eine kurze Yogaeinheit (seit Jahren meine absolute Lieblings-Yoga-Lehrerin: Yoga with Adriene) zur selben Uhrzeit haben meinem Gehirn signalisiert: "Schau her, es gibt noch verlässliche Dinge."
Professionelle Unterstützung und Reden: Der Austausch mit Menschen, die mich ohne Vorurteile verstehen, und therapeutische Begleitung waren der Schlüssel. Man muss und darf diesen Weg nicht alleine gehen.
Kreative Handarbeit und zwar Häkeln: Die gleichmäßigen, rhythmischen Bewegungen haben etwas Meditatives. Sie erlauben mir, im Hier und Jetzt zu sein, und beruhigen etwas das Gedankenkarussell.
Weil mich das Häkeln in dieser Zeit so unterstützt hat und mir diese Verbundenheit, die damals mit meiner Oma begann, so viel bedeutet, möchte ich diese heilende Erfahrung unbedingt mit dir teilen. Ich möchte dir ein Stück dieser Ruhe weitergeben.
Ganz bald findest du meine eigenen, liebevoll gestalteten Häkelanleitungen im Online-Shop. Sie sind so konzipiert, dass sie euch einladen, selbst abzuschalten, die Hektik des Alltags zu vergessen und euer ganz eigenes, minimalistisches OAY Design-Piece zu erschaffen.
Mein Heilungsweg ist noch nicht zu Ende, und das ist okay. Wenn du dich gerade in einer ähnlichen Situation befindest, dich gestresst, ängstlich oder verloren fühlst: Du bist nicht allein. Es ist keine Schwäche, sich eine Auszeit zu nehmen. Es ist die größte Stärke, die man für sich selbst aufbringen kann. Vielleicht hilft dir ja eine Häkelnadel dabei, dein eigenes Tempo wiederzufinden.
